Aloe Vera – hochwirksames Anti-Aging-Mittel oder exotischer Unfug?

Die saftstrotzende Aloe Vera galt bereits im Alten Ägypten als „Pflanze der Unsterblichkeit“. Tatsächlich besitzt sie auf Grund ihres Speichervermögens eine erstaunliche Überlebensfähigkeit und gedeiht selbst in staubtrockenen Wüstengebieten. Dementsprechend werden Aloe-Vera-Präparate als moderne Wunderwaffe gegen Falten und andere Alterserscheinungen gehandelt. Doch lassen sich die Eigenschaften der Pflanze so einfach auf den menschlichen Organismus übertragen?

Inhaltsstoffe und Hauptwirkung

Die Antwort liefern nicht nur wissenschaftliche Tests – sondern sogar die Pflanze selbst: Sie besteht zu großen Teilen aus Wasser und zellbildendem Gewebe. Damit allein weist Aloe Vera keine Vorzüge gegenüber anderen Gewächsen oder deren Früchten auf. Auch der viel gepriesene Gehalt an

– Mono- und Polysacchariden
– Aminosäuren
– Enzymen
– Mineralstoffen
– Spurenelementen
– Vitaminen
– sekundären Pflanzenstoffen wie Salicylsäure, Saponinen und ätherischen Ölen

stellt die Aloe Vera nicht per se über andere Naturprodukte. Die fein abgestimmte Mischung verschiedener Inhaltsstoffe aber verleiht der Pflanze eine Reihe außergewöhnlicher Effekte: Aloe Vera wirkt gegen trockene, entzündliche und / oder schuppende Haut und kann zur Behandlung von

– Dermatitis
– Sonnenbrand
– Herpes
– Schuppenflechte

eingesetzt werden.

Anwendung und Verarbeitung

Das in den fleischigen Blättern enthaltene, wasserklare Gel spendet der Haut sehr viel Feuchtigkeit und verleiht ihr einen schwachen Schutz vor UV-Strahlen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie Aloe Vera gleichmäßig auftragen und gut einziehen lassen. Bei der natürlich gegebenen Konsistenz des Gels ist das nicht immer ganz einfach – weswegen es viele Hersteller aufbereiten und in Cremes, Gels oder Lotions verarbeiten.

Genau hier beginnt die oben beschriebene Wirkung der Aloe Vera nachzulassen. Ob ein Produkt die

– feuchtigkeitsspendenden,
– kühlenden und
– entzündungshemmenden

Effekte des naturbelassenen Gels entfaltet, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Aloe Vera es enthält. Entgegen sonstiger Empfehlungen lautet die Devise „viel hilft viel“. Je mehr des ursprünglichen Wirkstoffs das Produkt aufweist, desto besser hilft es gegen die oben genannten Beschwerden.

Doch auch hierbei gilt, dass die Aloe Vera genug Zeit haben muss, einzuwirken. Als Zusatz in Seifen, Duschgels oder Shampoos ist sie nutzlos, da diese Produkte vergleichsweise kurz auf der Haut bzw. im Haar verbleiben. Nicht zuletzt sollten Sie beim Kauf einer Aloe-Vera-Creme, -Emulsion oder -Lotion darauf achten, dass die Rohstoffe aus kontrolliertem biologischen Anbau stammen und die Produkte keine Zusatzstoffe enthalten.

Wunder dürfen Sie jedoch nicht erwarten: Kein noch so gutes Aloe-Vera-Produkt lässt bestehende Falten einfach verschwinden. Es kann lediglich deren Tiefe mildern, indem es die umliegende Haut mit Feuchtigkeit versorgt und etwas aufpolstert. Gesicht, Körper oder Hände wirken dadurch straffer und glatter – und lassen Sie durchaus jünger wirken.

Risiken und Nebenwirkungen

Ein Gesund- oder Jungbrunnen ist Aloe Vera deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: Gerade als Trink-Kur oder Saft kann die Pflanze auch ihr zweites Gesicht zeigen. In vielen zum Verkauf angebotenen Produkten ist ihr Gel zwar enthalten – aber von einigen wichtigen Inhaltsstoffen befreit. Zu ihnen gehört Aloin, ein bitter schmeckender Stoff, dessen Aufgabe es ist, die Aloe-Vera-Pflanze vor Fressfeinden zu schützen.

Extrahiert wirkt Aloin stark abführend und kann in geringer bzw. kurzfristiger Dosierung gegen Verdauungsbeschwerden und Verstopfung helfen. In größeren Mengen bzw. bei langfristiger Einnahme führt es mehr oder weniger schnell zu

– Magen-/Darm-Krämpfen,
– Durchfall und / oder
– Nierenreizung.

In Folge dieser Beschwerden kann es zu Mineralstoffmangel, Nierenschäden und weiteren schwerwiegenden Störungen kommen.

Verfallen Sie also nicht auf die Idee, Aloe-Vera-Drinks selbst herzustellen oder direkt an der saftigen Pflanze zu knabbern. Die hauchdünne gelbliche Schicht, die direkt unter dem Grün liegt, ist Sitz des Aloins. Sie wird bei jedem Anschneiden oder Brechen der Blätter verletzt und setzt den Wirkstoff unmittelbar frei.

Zur Ergänzung des Speiseplans ist aufbereiteter Aloe-Vera-Saft gut geeignet; ein allein, über Nacht oder Wunder wirkendes Mittel aber ist er nicht. Er muss wie jede andere Nahrung sinnvoll ergänzt werden, um seine postiven Effekte voll zu entfalten.

 

Photo by Silvia Agrasar on Unsplash

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