Es gibt tatsächlich Menschen, die sich mittags anstelle von Currywurst, Eintopf oder Fitnessteller eine merkwürdige Brühe aus Erbsenprotein, Leinsamen und Sonnenblumenöl-Pulver schmecken lassen. Dabei handelt es sich weder um Protein-Shakes für ambitionierte Freizeitsportler noch um Formula-Diäten wie Almased.

Stattdessen soll die Trinknahrung mit Namen wie Huel, Soylent oder Ambronite eine vollständige Mahlzeit ersetzen und satt machen. Praktisch, schnell und einfach soll die Nahrungszubereitung sein. Mit ungefähr zwei Euro pro Portion auch preiswerter als ein herkömmliches Essen. Auch soll der ökologische Gedanke eine Rolle spielen: Das vegane Pulver ist in der Herstellung, Logistik und Zubereitung sehr viel einfacher zu handhaben und verbraucht somit weniger Ressourcen als  traditionelles Essen.

Die Produkte sollen den Körper mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgen. Eiweiß, Kohlenhydrate und Fette würden im optimalen Verhältnis zueinander stehen.  Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren würden die Mahlzeit zu einer sehr viel besseren Alternative zu Currywurst rot/weiß machen. Auch enthalten die Produkte zugesetzte Vitamine, Mineralien und Spurenelemente.

Die Hersteller berufen sich bei ihren Rezepturen auf die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft und Medizin.

Doch zeigen gerade wissenschaftliche Studien, dass es die sekundären Pflanzenstoffe wie Polyphenole, Bitterstoffe, Enzyme, ätherische Öle und Flavonoide sind, die entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit haben. Diese Pflanzenstoffe bekommen wir über eine abwechslungsreiche Mischkost mit einem hohen Anteil an Gemüse, Obst, Kräutern und Gewürzen.

Über die genaue Wirkung dieser Pflanzenstoffe wissen wir noch nicht viel – was wir jedoch wissen ist, dass sie einen positiven Einfluss auf unseren Organismus haben. Insbesondere die Bakterien im Verdauungstrakt, die sogenannte Darmflora, wird durch unsere Nahrung beeinflusst. Studienergebnisse geben starke Hinweise darauf, dass die Darmflora nicht nur unser Immunsystem, sondern auch unsere Psyche maßgeblich beeinflusst. Würde man täglich eine oder mehrere traditionelle Mahlzeiten durch die Trinknahrung ersetzen, hat dies Einfluss auf die Darmflora – mit ungewissen Konsequenzen.

Fairerweise müssen wir jedoch auch feststellen, dass keiner der Anbieter empfiehlt, sich nur noch von seinen Produkten zu ernähren. Vielmehr dienen sie als praktische, schnell zubereitete Mahlzeit, wenn man keine Zeit und Lust hat zu kochen. Auch wenn das Geld knapp ist und man unterwegs oder auf der Arbeit keine fünf oder zehn Euro ausgeben möchte, ist die Astronautennahrung bei einem Preis von gerade einmal zwei Euro eine preiswerte Alternative.

Auch kann man die Nahrung mit Greenfood-Pulver, wie sie für die Zubereitung von Smoothies  angeboten werden, ergänzen. So kommen dann die notwendigen sekundären Pflanzenstoffe zumindest doch noch teilweise in den Shaker. Damit erhöhen sich aber auch Aufwand und Kosten, die man ja niedrig halten möchte mit dieser Art von Produkten.

Ich habe das Pulver des britischen Anbieters Huel getestet. Zwei Packungen mit Shaker und T-Shirt waren in dem Paket. Bestellt hatte ich Bananen und Minz-Schokolade-Geschmack. Ich spekulierte auf flüssiges After Eight und schüttelte mir mein Mittagessen mit Wasser im Shaker zurecht. Der Geschmack war gruselig. Ist musste die breiig-zähe Flüssigkeit runterwürgen.

Der Gründer von Huel findet, Geschmack sei subjektiv. Seine Kunden würden Huel nicht wegen des Geschmacks verwenden, sondern weil es praktisch und gesünder als „Fast Food“ sei. Mag sein, am nächsten Mittag probierte ich die Variante mit Bananengeschmack. Diesmal mit Milch. Der Geschmack war recht lecker, die Konsistenz cremig.

Mich nur von Huel zu ernähren, ist für mich jedoch nicht vorstellbar. Hin und wieder, wenn ich im Stress und ausgehungert bin, werde ich mir aber einen Huel-Shake zubereiten. Wenig Aufwand, kein Geschirr, kein Verpackungsmüll. Warum nicht. Das sagen sich auch viele andere. Sage und schreibe 50 Millionen Euro Umsatz würde Huel im Jahr machen. Addieren wir noch die Umsätze der anderen Anbieter hinzu muss es tausende Menschen geben, die traditionelles, herkömmliches Essen regelmäßig durch Trinknahrung ersetzen.

Eine (nicht vollständige) Liste der Anbieter finden Sie hier:

https://soylent.com/

https://huel.com/

https://www.saturo.com/de/

https://jimmyjoy.com/

https://www.yfood.eu/

https://de.bertrand.bio

https://drink-mana.com/

https://www.eatnano.eu/

https://jakefood.com/

https://queal.com/de/

https://www.foodspring.de/the-meal

 

Haben Sie schon einen solchen Mahlzeitenersatz getestet? Wie ist es Ihnen ergangen? Lassen Sie es uns unten in den Kommentaren wissen!

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Alexander studierte Ernährungswissenschaft in Mönchengladbach und beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit Gesundheit, Ernährung und Mikronährstoffen. Der Diplom-Oecotrophologe ist Mitglied im Berufsverband Oecotrophologie e.V. und veröffentlicht hier auf bestaging.coach zu Themen rund um die Ernährung und gesundes Essen.

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