Chronobiologie – so beeinflusst Ihre innere Uhr Ihre Gesundheit

Ein gesunder Schlaf, die innere Uhr und die eigene Gesundheit – all das hängt miteinander zusammen, wenn auch speziell Schlaf und die innere Uhr doch grundverschieden zueinander stehen. Beim Schlafen erbringt der gesamte Organismus eine Leistung, während die innere Uhr viel mehr eine individuelle Eigenschaft von einzelnen Stellen darstellt. Beides beeinflusst Ihren Körper und Geist maßgeblich.

Die „innere Uhr“ des Menschen

Es ist kein Geheimnis, dass jeder Mensch über solch eine innere Uhr verfügt – das zeigt sich schon beim berüchtigten „Jetlag“ nach einem Flug in andere Zeitzonen, teilweise aber auch schon nach der Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit in Deutschland. Nicht selten dauert es einige Tage, bis sich die innere Uhr und damit der Körper daran gewöhnt haben. Prägnant für die innere Uhr und den Bereich der Chronobiologie, welcher unter anderem eben diese erforscht, ist ihre Flexibilität. Eine innere Uhr schwingt keinesfalls zwingend im 24-Stunden-Takt, weshalb es durchaus denkbar ist, dass einige Menschen einen Rhythmus von mitunter 23,5 oder 24,7 Stunden vorweisen.

Damit sich die innere Uhr nicht gänzlich verstellt, kalibriert sie sich regelmäßig neu. Das geschieht über die Umweltbedingungen, allen voran das Tageslicht, welches maßgeblich auf sie Einfluss nimmt. Würde der Mensch hingegen über Wochen in einem mit natürlichem UV-Licht beleuchteten Raum verbringen, könnte sie sich nicht mehr neu kalibrieren und er würde tatsächlich täglich immer früher oder immer später einschlafen. Natürlich arbeitet aber auch die innere Uhr, wie alle Teile des Körpers, ausgesprochen intelligent. So können die Zellen unterscheiden, ob es sich um natürliches Tageslicht oder künstliches Licht aus der Steckdose handelt – daher bringt eine gewöhnliche Beleuchtung im Haus sie auch nicht durcheinander.

Dieser Prozess ist keinesfalls nur den Menschen vorbehalten, sondern gilt beispielsweise auch für Tiere oder Pflanzen, welche so ihren Nachtrhythmus (Hamster) oder die Photosynthese tagsüber (Pflanzen) regulieren. Kommt die innere Uhr durcheinander, leidet der Körper als Ganzes darunter.

So beeinflusst die innere Uhr den Menschen

Noch immer befindet sich der Bereich der Chronobiologie in den verhältnismäßigen Kinderschuhen, wenn auch davon ausgegangen wird, dass die innere Uhr schon seit Anbeginn der Evolution existiert. Die wichtigste innere Uhr beim Menschen ist der suprachiasmatische Nukleus, der mehr als 50.000 Nervenzellen mit Neuronen verbindet und somit ein sensibles Konstrukt im Gehirn erzeugt. Trifft Licht auf die Netzhaut, wertet diese es gegebenenfalls als „natürliches Licht“, überträgt ein elektrisches Signal an den Nukleus, welcher diese Information dann wiederum nutzt um die innere Uhr zu kalibrieren.

Fällt der Nukleus aus, gerät die Präzision der inneren Uhr ins Wanken, der Körper ist also auf den natürlichen Hell-Dunkel-Wechsel angewiesen. Andere Faktoren helfen ihm sekundär dabei, zum Beispiel Nahrungsaufnahme oder die ebenfalls recht präzise Aktivität der Leber in den frühen Morgenstunden. Ebenfalls wird vermutet, dass Kortikosteron (das natürliche Cortison des Körpers) dem Nukleus weiterhilft. Somit wären die Nebennieren genauso ein wichtiger „Zeitmesser“ wie das Gehirn. Allgemein ist, kaum überraschend, der Schlaf am meisten von der inneren Uhr beeinflusst. Sobald sie nicht mehr einwandfrei funktioniert, gilt selbiges für den erholsamen und ausreichend langen Schlaf. Dadurch können sich eine Vielzahl gesundheitlicher Probleme einstellen, welche allesamt in Verbindung mit schlechtem oder unzureichendem Schlaf stehen, beispielsweise Trägheit, Depressionen, Kopfschmerzen oder Kreislaufbeschwerden.

Kommt die innere Uhr durcheinander, schüttet der Körper außerdem diverse Stresshormone aus, unter anderem Noradrenalin und Adrenalin. Geschieht das dauerhaft, stellt sich auch beim Menschen spürbarer Stress ein. Ebenso ist belegt, dass die innere Uhr mit dem Stoffwechsel zusammenhängt. Gerät sie ins wanken, funktioniert auch der Stoffwechsel nicht mehr einwandfrei, weshalb spezielle Stoffwechselgene dann nicht mehr sachgemäß aktiviert und deaktiviert werden. Das tritt beispielsweise bei der sogenannten „Lipase“ auf, wo durch die Fehlstellung der inneren Uhr ein gestörter Schlaf auftritt, bei dem dann nicht wie eigentlich üblich Fette des Körpers verbrannt werden – der Körper kommuniziert somit Energienotstand, Fett setzt sich dauerhaft fest und der Mensch wacht auf, obwohl er gar nicht ausgeschlafen ist.

Chronobiologie und ihr Nutzen für die Menschheit

Das Fachgebiet Chronobiologie befasst sich unter anderem mit der inneren Uhr, den sogenannten zirkadianen Rhythmen, welche sich über rund 24 Stunden ziehen. Zusätzlich kommen noch saisonale, biologische Rhythmen unter 24 Stunden und Halbtags-Rhythmen hinzu. Letztere orientieren sich an Ebbe und Flut und können durchaus Bewohner direkt am Meer beeinflussen. Die am meisten und intensivsten erforschte Rhythmik ist aber definitiv die innere Uhr und damit die zirkadiane Rhythmik.

Die Chronobiologie versucht über die gewonnenen Erkenntnisse vor allem langfristige Veränderungen beim Menschen zu beweisen, so beispielsweise wie häufige Wechsel zwischen Zeitzonen, Lichtmangel oder Schichtarbeit negative Effekte auf die innere Uhr haben und sich daraus auf lange Zeit diverse psychiatrische Störungen oder Depressionen ergeben können. Auch deshalb ist die Chronobiologie mitsamt ihren Forschungen für den Menschen sehr wichtig, denn der moderne Lebensstil stellt die innere Uhr immer wieder vor neue Belastungen. Lässt sich herausfinden, wie sich diese noch besser und verlässlicher kalibrieren lässt, kann das für viele Menschen nicht nur einen neuen erholsamen Schlaf, sondern auch weiteren Schutz vor mentalen und physischen Beschwerden bedeuten.

 

Photo by: tomwang / 123RF Standard-Bild

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