„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein“, sagte Hippokrates, der Vater der Medizin, vor 2400 Jahren. Dieser Ausspruch ist mal mehr, mal weniger respektiert worden, aber nie in Vergessenheit geraten. Heute stellt die moderne Ernährungswissenschaft die hippokratische Wahrheit auf ein neues Fundament. Die Landkarte der gesundheitsförderlichen  Nahrungsstoffe und -ergänzungen kennt kaum noch weiße Stellen. So hat die Wissenschaft beispielsweise den Omega-3-Kontinent hinreichend erforscht und gefeiert. Die Entdeckung des Krillöls scheint auf den ersten Blick nur ein Nachtrag zu sein. Tatsächlich aber könnten damit im Sinne des Hippokrates-Zitates die Inseln der Seligen gefunden worden sein. Krillöl ist der neue Superstar unter den Omega-3-Fettsäure-Quellen.

Omega-3: Ein anderer Name für Jungbrunnen

Es geht um Omega-3. Diese an Science Fiction erinnernde Bezeichnung geistert seit einigen Jahren durch die Beiträge zur Nahrungsoptimierung. Omega-3-Fettsäuren sind lebenswichtig, das sagt schon ihre Bezeichnung. Die Wissenschaft nennt sie nämlich essentiell und ordnet sie damit jenen Nährstoffen zu, die unser Körper nicht selbst herstellen, sondern zuführen muss. 

Die Liste ihrer Wohltaten an unserem Organismus ist lang und beeindruckend:

  • Sie helfen bei der Hormonproduktion und Eiweißsynthese.
  • Sie fördern den Zellstoffwechsel und schmieren unsere Gelenke.
  • Sie unterstützen die Abwehrzellenbildung, wehren Infektionen ab und beugen Entzündungen vor.
  • Sie verleihen Haut und Haaren eine gesunde Frische.

Die Liste der omega-3-reichen Lebensmittel ist leider nicht besonders lang und verkürzt sich noch einmal für Sie, wenn Sie Vegetarier sind. Als Pflanzenesser stehen Ihnen Walnüsse und Leinsamen zur Verfügung, außerdem Öle aus dem Leinsamen, aus Raps und aus Walnüssen. Gute Voraussetzungen haben alle Menschen, die gern und häufig Fisch verzehren. 

Fettreich und aus kaltem Wasser müssen Sie stammen: Sardine und Hering stehen ganz oben auf der Omega-3-Fettsäuren-Rangliste, gefolgt von Lachs und Makrele. Und dann wäre da noch der Krill. Beziehungsweise das aus ihm gewonnene Krillöl.

In den 70er Jahren des letzten Jahrhundert wollte die NASA das Welthungerproblem mit Krill lösen. Diese Idee ist schnell in der Versenkung verschwunden. Aber das Krillöl ist aufgetaucht. Was ist Krill überhaupt?

Krillöl: So rein wie die Antarktis

Sie kennen doch Nordseekrabben. So ähnlich muss man sich Krill vorstellen – nur etwas schmächtiger und von transparenter Anmutung. Die Kleinkrebse schwimmen in gigantischen, kilometerlangen Schwärmen durch die Antarktis. Das klarste, kälteste, unwirtlichste Wasser ist ihre Heimat. So wie die Kokosnuss in ihrem Öl alle Überlebensreserven speichert, mit denen Sie tausende Kilometer durch Salzwasser schwimmend ihre Heimatinsel findet, so trotzen die Krills mit Krillöl gewappnet den ungemütlichen Bedingungen der kältesten Ozeane. Die Krill-Populationen sind unvorstellbar groß: ihre Biomasse summiert sich weltweit auf 125 bis 750 Millionen Tonnen, haben die Vereinten Nationen errechnet. Für Nachschub an Krillöl ist also gesorgt.

Es gibt eine definierte Fangmengengrenze für den Krill, die bei 3,47 Millionen Tonnen liegt. Die tatsächliche Fangmenge liegt mit maximal 0,2 Millionen Tonnen deutlich darunter. Krillöl ist ein erfreulich unbelastetes Öl, denn die Krebse leben in einer intakten Umwelt und stehen als Planktonfresser am Anfang der Nahrungskette. Krillöl-Produkte entstehen also aus einem gesundheitlich unbedenklichen Ausgangsmaterial.

Fischöl aus dem Zuchtteich

Fischöl wird aus den bereits genannten fetten Fischsorten wie Makrele, Hering, Sardelle, Sardine und Lachs gewonnen. Vor allen Dingen das Öl letzterer Fischart stellt das Ausgangsprodukt für die Omega-3-Fischölkapseln. Die Lachse werden zu diesem Zweck gezüchtet und mit angereichertem Spezialfutter versorgt. Niedrigpreisige Präparate speisen sich allein aus dieser Versorgungsquelle.


Es gibt auch Firmen, die ihre Kapseln allein auf der Grundlage frei lebender Hochseefische herstellen. Hohe Produktqualität ist frei von Schwermetallen wie Methylquecksilber und Schadstoffen wie PCB. Demgegenüber sind Nahrungsergänzungsmittel, die auf Krillöl basieren, im Vorteil: Krill ist garantiert freilebend, nicht überfischt und ohne Schadstoffbelastungen.

Der Hauch von Lebertran gehört der Vergangenheit an

Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhundert gab es ein Wort, bei dessen bloßer Nennung sich alle Kinder sofort auf der Toilette einschlossen. Es lautete: Lebertran. Reich an Vitamin A und D, wurde er von den besorgten Eltern vor allem gegen die gefürchtete Rachitis verabreicht. Er entwickelte in der Mundhöhle, aus der er einfach nicht hinunterzubringen war, eine fettige Stickigkeit von enormem Fischaroma. Wohl bekommt’s! Die Fixierung von Fischöl in leicht schluckbaren Kapseln stellt eine echte Zivilisationserrungenschaft dar. Und dennoch:

Die Konsumenten von Fischölkapseln berichten bei entsprechender Empfindlichkeit von stundenlangem Aufstoßen mit Fischnachgeschmack. Auch kann es im Rahmen der Selbstmedikation mit Omega-3-Fischölkapseln zu Verdauungsstörungen kommen. Produkte, die auf Krillöl basieren, lassen diese unangenehmen Komplikationen der Vergangenheit angehören. Das liegt an der Zusammensetzung: Krillöl besteht aus Omega-3-Fettsäuren, aus Cholin und aus Phospholipiden.

Cholin trägt als essentieller Nährstoff zu einem gesunden Homocysteinstoffwechsel bei. Dieser Stoffwechsel steht in engem Zusammenhang mit dem Herz-/Kreislaufsystem. Entscheidend
für die Verdaulichkeit und Bioverfügbarkeit von Krillöl sind die Phospholipide. Das sind natürliche Emulgatoren mit einer erstaunlichen Wirkung:

Nehmen Sie ein Glas Wasser und einen Teelöffel Fischöl. Lassen Sie das Fischöl in das Wasser gleiten. Ergebnis (Sie haben es geahnt):

Das Fischöl schwimmt auf der Wasseroberfläche. Jetzt führen Sie das gleiche Experiment mit einem Teelöffel Krillöl durch. Wunderbarerweise verteilt sich das Krillöl im Wasser und geht mit ihm eine Verbindung ein. Und das ganz ohne Chemie, durch den natürlichen Emulgator der Phospholipide.

Wenn eine Fischöl-Kapsel in Ihrem Magen landet, löst sie sich dort auf und das Öl schwimmt auf der Oberfläche. Ergebnis: Aufstoßen mit Fischgeschmack. Die Krillöl-Kapsel löst sich ebenfalls auf, aber das Öl verteilt sich im Magen, wie es sich in dem Glas Wasser verteilt hat. Kein Aufstoßen und eine bessere Resorption der Omega-3-Fettsäuren sind das Ergebnis. Auch eine schnellere und umfangreichere Aufnahme der gesunden Omega-3-Fettsäuren durch den Darm und damit eine beschleunigte und bessere Bioverfügbarkeit im Blut ist der guten Vermischbarkeit des Krillöls zu verdanken

Omega-3 versus Omega-6

Der menschliche Körper liebt das gesunde Gleichgewicht. Für die Omega-Säuren gesprochen: Es wäre ideal, wenn die guten Omega-3-Fettsäuren und die schlechten Omega-6-Fettsäuren in der Balance stehen würden. Das tun sie aber nicht. Auch Ernährungswissenschaftler sind Realpolitiker. Sie würden sich mit einem Omega-3/Omega-6-Verhältnis von 1:4 oder 1:5 zufrieden geben. Für viele Menschen immer noch ein schöner Traum, denn heutzutage werden bis zu 20 mal mehr Omega-6- als Omega-3-Fettsäuren verzehrt. Das Krillöl kann dieses Verhältnis mit dramatischer Wirkung korrigieren.

In ihm stehen nämlich die Omega-3-Fettsäuren zu den bösen 6ern in dem sagenhaften Verhältnis von 15:1. Zusammen mit der guten Bioverfügbarkeit hilft hier das Krillöl wirklich voran. Damit gilt es schon jetzt als echte Feuerwehr für die Schwelbrände des Körpers – jene chronischen Entzündungen, die unbemerkt unsere Gesundheit unterminieren. Krebs, Diabetes, Rheuma, Magengeschwüre, Darmerkrankungen und nervenbedingte Leiden wie Depressionen und Alzheimer sind allesamt mit einer dauerhaften Omega-6-Fettsäurenüberschwemmung in usammenhang gebracht worden. Krillöl steuert gegen.

Die Untersuchung des Krillöl-Kontinents beginnt

Die positive Wirkung von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl ist durch eine ganze Bibliothek von Studien belegt worden. In der Cochrane Collaboration, dem Netzwerk von Medizinern und Wissenschaftlern zur Bewertung von Therapien, finden sich allein 17 Metaanalysen zu dem Thema, also Untersuchungen, die alle bisher veröffentlichten Untersuchungen auswerten und beurteilen.

Das Krillöl ist noch nicht in den Genuss so vieler wissenschaftlicher Studien gelangt. Aber das dürfte sich bald ändern. Immerhin wurde an der Universität von Montreal eine randomisierte Doppelblindstudie zur Krillöl-Wirkung auf das prämenstruelle Syndrom unternommen. Die Studie belegte die positiven Effekte des Öls in dieser Hinsicht sehr deutlich. Zur Senkung der Cholesterinwerte durch Krillöl liegt eine klinische Studie der McGill University vor. 2011 hat Ulven nachgewiesen, das der Omega-3-Plasmaspiegel nach einer siebenwöchigen Krillöl-Einnahme gegenüber dem Fischöl um 45 Prozent erhöht ist.

Das beweist noch einmal die eklatant bessere Bioverfügbarkeit des Krillöls.

Haben Sie vielleicht bereits Erfahrungen mit dem neuen Jungbrunnen aus den Tiefen des antarktischen Meeres gesammelt? Sind Ihnen während des Lesens unseres Artikels Dinge unverständlich geblieben? Möchten Sie wissen, wie Sie das Krillöl in Ihren persönlichen Ernährungsplan einbauen und auf Ihre individuellen Probleme abstimmen können? – Wenden Sie sich mit Ihren Fragen und Informationen an die Redaktion. Wir alle befinden uns auf einer spannenden Entdeckungsfahrt. Der Krillöl-Kontinent hat sich vor uns aufgetan. Erkunden wir dieses sagenhafte Land gemeinsam!

Ant Rozetsky

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Alexander studierte Ernährungswissenschaft in Mönchengladbach und beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit Gesundheit, Ernährung und Mikronährstoffen. Der Diplom-Oecotrophologe ist Mitglied im Berufsverband Oecotrophologie e.V. und veröffentlicht hier auf bestaging.coach zu Themen rund um die Ernährung und gesundes Essen.

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