Schwimmtrainer – mehr als nur Baywatch

Im Schwimmbad, im See oder im Meer kann es mitunter rau zugehen. Wir versuchen, bestmöglich durch das Wasser zu kommen, denn das soll ja sehr gesund sein. „Gelenkschonend“, sagt der Orthopäde. „Das Ende meiner Schultern, meiner Knie und meines Rückens“, sagt der Leistungsschwimmer.

Tatsächlich ist es so, dass Schwimmen ein Segen für die Gelenke ist. Durch das Wasser werden Schultern und Knie entlastet. Schwimmen ist ein Ganzkörpersport, das heißt, jede Körperpartie kommt zum Einsatz und wird beansprucht. „Ganz nebenbei“ steigern wir unsere Kondition, die Koordination, die Kraftausdauer und und und…alle Vorteile von Schwimmen aufzuzählen würde ewig dauern. Die Nachteile fallen dafür verhältnismäßig gering aus…es sei denn, die Schwimmtechnik ist fehlerhaft. Eine mangelhafte Schwimmtechnik kann bereits bei geringen Umfängen zu kleineren und größeren Problemen kommen (von den Auswirkungen bei Leistungsschwimmern ganz zu schweigen). So sind eine Reizung des Bizepssehnenansatzes, ein lädierter Meniskus sowie Rücken- und Nackenschmerzen häufig das Ergebnis schlechter Schwimmtechnik. Um dies gleich im Keim zu ersticken, sollte sich jeder (Hobby-) Schwimmer einer intensiven Technikschule widmen. Einen Schwimmtrainer bzw. einen Schwimmlehrer zu engagieren ist alternativlos. Wir erläutern kurz, warum es sich lohnt und welche Kompetenzen einen guten Trainer ausmachen.

Der Grund

Manche von uns kennen das: Wir gehen schwimmen und ein muskelbepackter Koloss macht sich fertig, um das nasse Rechteck zu entern. Was folgt, ist ein ungelenker Kopfsprung und einsetzendes beherztes Schlagen ins Wasser. Die Augen sind fokussiert, doch der Kopf schwebt über dem Wasser (bloß nicht eintauchen, man könnte ja nass werden oder die Orientierung verlieren!). Die Fontäne, die der grazile Kopfsprung auslöste führt zu einem nassen Beckenrand. Während sich unser Beispiel durch das kühle Nass prügelt, heben die Leute am Beckenrand irritiert die Augenbrauen und die anderen Schwimmer suchen schnell das Weite. Kommt Ihnen bekannt vor? Sollte es auch! Passiert so oder so ähnlich jeden Tag in so ziemlich jedem Schwimmbad. Was man nicht sieht und nicht weiß, ist, dass diese „Technik“ gegen so ziemlich alles ist, was Schwimmen ausmacht: Entspanntes Gleiten durch das Wasser, ohne viel Kraftaufwand bei gleichzeitiger Gelenk-Schonung und gezieltem Muskelaufbau.

Die Technik – Techniklücken sind Entwicklungslücken

Es ist wenig verwunderlich, wenn am Anfang nicht viel (im Klartext: rein gar nichts) zusammenläuft beim Schwimmen. Diese Entwicklung machte jeder durch. Doch gerade zu Beginn ist es wichtig, auf die richtige Technik zu achten. Der ausbleibende Erfolg beim Lernen kann schnell in Frust umschlagen. Wichtig ist, nie den Mut und den Willen zu verlieren, zunächst die Technik zu erlernen und diese später verbessern zu wollen. Eine ausgereifte Schwimmtechnik zu erlernen und zu beherrschen dauert Monate, wenn nicht gar Jahre. Das Beherrschen der Technik hat viele Vorteile: die Gelenke werden geschont, wir können kraftsparend und viel länger schwimmen, wir entwickeln ein gutes Wassergefühl und nicht zuletzt ziehen wir die neidischen Blicke der anderen auf uns (während diese selber damit zu tun haben, nicht unterzugehen). Beispielsweise hat bereite eine minimale Korrektur des Eintauchwinkels des Ellbogens oder der Hand beim Kraulschwimmen große Auswirkungen auf die Balance im gesamten Körper. Es lohnt sich also, das Hauptaugenmerk auf die Schwimmtechnik zu legen.

Das Wasser – unser Freund und Helfer

Viele kämpfen sich wie unser oben erwähntes Beispiel durch das Wasser. Sie schlagen es. Sie treten es. Sie betrachten es als Feind. Klar, das Wasser kann (im wahrsten Sinne des Wortes) unser Untergang und somit unser Tod sein. Dabei ist das Wasser nicht unser Feind! Wenn wir wissen, wie wir mit mit diesem Element umzugehen haben, hilft es uns, oben auf zu liegen, vorwärts zu kommen und gesund zu leben – ganz ohne Schmerzen, aber mit einem hohem Maß an Wohlbefinden. Unsere Fitness wird spielend leicht verbessert, unsere Muskeln entspannen sich und wir kriegen den Kopf frei. Das Wasser, unseren Freund und Helfer,  zu schlagen ist das letzte, was wir da tun sollten.
Wenn Sie sich an das Wasser gewöhnten und offiziell „Schwimmer“ nennen, wird sich immer wieder ein „Technik-Schlendrian“ einschleichen; das ist normal und betrifft jeden von uns, egal auf welchem Level er schwimmt. Diesen Fehler zu erkennen und zu beheben ist eine Aufgabe, die wir nicht alleine bewerkstelligen können.
Michael Phelps oder Franziska Van Almsick, KEINER konnte von Geburt an schwimmen. Jeder hatte einen guten Schwimmtrainer. Und was die Profis machten, sollten auch Sie ins Auge fassen, denn die Vorteile, die ein Schwimmtrainer mit sich bringt, liegen klar auf der Hand.

Schwimmtrainer – das wachsame Auge

Aller Anfang ist schwer – besonders im Erwachsenenalter. Wenn Sie als Kind fernab des Schulschwimmens bereits lernten Kraul, Brust, Rücken und vielleicht sogar Delfin zu schwimmen, dann ist es gar nicht so schwer, dies wieder aufzunehmen. Das Gehirn prägt sich die Bewegungen gut ein und auch, wenn man alles ein wenig schleifen lässt sind sie immer noch da!
Anders ist das, wenn wir erst im reiferen Alter Schwimmen lernen. YouTube-Videos schauen, Bücher lesen, Freunde befragen, theoretisch ist Schwimmen schnell zu verstehen, praktisch aber dauert es eine halbe Ewigkeit und ist nur durch permanente Wiederholung zu erlernen und zu verinnerlichen.
Wir Erwachsenen wollen uns nicht blamieren. Deshalb schwimmen wir gerne gerne in einem völlig überfüllten Schwimmbad (um in der Menge nicht negativ aufzufallen). Manchmal trainieren wir auch „heimlich“ mit, wenn wir unseren Kindern das Schwimmen beibringen wollen. Sehr gut! Doch noch besser ist es, wenn wir uns nach einer angemessenen Aufbauphase einen Schwimmtrainer oder -lehrer suchen.
Die Vorteile eines Schwimmtrainers fassen wir hier zusammen:
Der Schwimmtrainer…

  • …hat einen Blick für die Technik
  • …kann auf Filmaufnahmen aufzeigen, wo Probleme bestehen und wie diese zu lösen sind
  • …greift ein, wenn es sein muss
  • …hat einen gewissen Erfahrungsschatz
  • …gibt eine zweite Meinung ab
  • …gibt Tipps weit über die Technik hinaus
  • …hilft, schnell und nachhaltig besser zu werden

Also halten sie Ausschau nach einem passenden Schwimmtrainer. Die Auswahl ist ganz wichtig, denn Sie müssen ihm vertrauen und das Gefühl haben, unter seiner Führung weiter zu kommen. Welche Eigenschaften ein guter Schwimmtrainer haben sollte listen wir hier auf:

  • empathisch (sich in den Schwimmer hineinversetzen und seine Ängste und Hemmungen erkennen, erfordert viel Empathie)
  • selbstbewusst
  • geduldig
  • erfahren (selber jahrelang Leistungsschwimmer gewesen zu sein ist sehr hilfreich)
  • technisch versiert (er sollte in der Lage sein, die vorhandene Technik zu verfeinern und nicht eine Technik auf Biegen und Brechen durchzusetzen)
  • Trainer-Lizenz (Bademeister sein ist noch kein Zeichen für Fachkompetenz; Schwimmen ist mehr als Baywatch)
  • Mitglied in einem Schwimmverein sein

Kurse und Vereine – gemeinsam eins mit dem Wasser sein

Gerade der letzte Punkt ist von Vorteil. Der Trainer kann behilflich sein, einen passenden Verein in Ihrer Nähe zu finden. Schwimmbäder sind oft durch Schulklassen oder Vereine (größtenteils) belegt. Was liegt da näher, als einen Verein ausfindig zu machen, bei dem sich Gleichgesinnte treffen, um gemeinsam an ihrer Fitness sowie ihrer Technik zu arbeiten? In einer übersichtlichen Gruppe mit ähnlich talentierten Schwimmern zusammen dem neuen Hobby nachgehen, motiviert zusätzlich, besser zu werden. Ausreden zählen dabei nicht, denn Breitensportkurse finden bei jedem kleineren Verein auch nach der Arbeit statt.

Fazit

Zunächst einmal beglückwünsche ich Sie zu der Tatsache, dass Sie sich für den Schwimmsport interessieren. Schwimmen verspricht Gesundheit pur und fördert das Wohlbefinden. Wichtig ist, sich realistische Ziele zu setzen. Sei es bei der Ausdauer oder aber auch bei der Technik. Es braucht nicht so lange, um sich eine gewisse Ausdauer anzutrainieren, aber es dauert sehr lange, um technisch sauber durch das Wasser zu gleiten. Ein Trainer kann Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schwimmen müssen Sie selbst, aber durch seine Expertise kann er den Lernprozess vereinfachen und beschleunigen. Es bringt nichts, sich selber zu ambitionierte Ziele zu setzen, gerade am Anfang. Ein guter Schwimmtrainer hilft Ihnen dabei, realistische Ziele zu definieren und sie dann zu verwirklichen. Sie werden sehen, wie viel Spaß es macht, vom Groben ins Detail zu gehen. Kleine Veränderungen wie den oben beschriebenen Eintauchwinkel können Großes bewirken. Diese Erfahrungen wird jeder einzelne von Ihnen machen, egal auf welchem Level er oder sie schwimmt. Geduld ist dabei eine Tugend, die sich zu pflegen lohnt. Das gilt auch für Schwimmer. Das langweilige Kacheln zählen kommt noch früh genug. Wenn Sie die Geduld aufbringe, die vonnöten ist, wird ein guter Trainer Ihnen helfen, die richtige Technik zu erlernen. Alles, was danach kommt, ist „einfach“: Ins Schwimmbad gehen. Bahnen ziehen. Nach Hause gehen. Wiederholen. So oft es geht! Sie werden es genießen, sich abends dem Schweinehund zu stellen und ihn jedes Mal aufs Neue zu besiegen.

Also: Anstatt gemütlich den Tag auf dem Sofa mit Partner, Kind und Netflix ausklingen zu lassen, machen Sie etwas Sinnvolles und gehen Schwimmen! Vielleicht motivieren Sie auch Ihre Bekannten und Verwandten, sich ins kühle Nass zu begeben. Alles für die Gesundheit!

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